Nähwerkstätten im Regenwald


Eindruck aus der 1997 errichteten, neuen Werkstatt

Abschließender Bericht:

Der Verein “Solidarität mit Chiapas (Mexico)” e.V. unterstützte als erstes seit 1996 ein Ausbildungsprojekt in Chiapas.

Ziel des Projektes war die Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Situation indigener Gemeinden im lakandonischen Regenwald. In Zusammenarbeit mit Dorfgemeinschaften wurde ein Programm zur Ausbildung im Schneiderhandwerk und zum Aufbau von Produktionswerkstätten entwickelt. Begonnen wurde mit diesem Projekt 1995 in San Josè del Rio und 1996 in La Realidad, Landkreis Las Margaritas. Die direkte Projektbegleitung erfolgt durch eine private Initiative mit dem Namen “tojol’ixukwinikotik” (tojolabal für “Fortschritt”). Die Ausbildungswerkstätten werden von Menschen aus den Dörfern der Umgebung und anderen Regionen besucht.


Kursteilnehmerinnen beim Zuschneiden

Die Auszubildenden gehören verschiedenen Volksgruppen an, z.B. Tojolabales, Tzeltales und Choles. Die jeweiligen Dorfgemeinschaften suchen die TeilnehmerInnen für die Kurse selbst aus. Diese Personen verpflichten sich ihrerseits, ihrer Gemeinschaft zu Hause mit den erworbenen Fähigkeiten weiterzuhelfen. Ziel ist es, die Gemeinden mit Kleidung zu versorgen und das handwerkliche Können weiterzutragen. Einige ehemalige TeilnehmerInnen sind bereits als Promotoren tätig. Durch den Verkauf der selbsterstellten Kleidung soll sich das Projekt, das für die TeilnehmerInnen kostenfrei ist, in wenigen Jahren selbst tragen.

Der letzte Ausbildungskurs fand im März und April 1997 mit 356 Unterrichtsstunden in der Werkstatt in La Realidad statt. Die 19 TeilnehmerInnen, die diesen Kurs alle erfolgreich abschlossen, konnten anschließend die Nähmaschinen und eine Mindestausrüstung mit nach Hause nehmen. Neben der fachpraktischen Ausbildung wurden ergänzend Alphabetisierungskurse angeboten.

Das Projekt lief bis 1998, musste dann aufgrund der sich verschlechternden politischen Rahmenbedingungen eingestellt werden.

Dennoch gingen die Maschinen und die vermittelten Kenntnisse nicht verloren: Die Teilnehmerinnen nahmen die Nähmaschinen mit in ihre Dörfer, um weiterzuarbeiten, andere anzulernen. Wie wir erst im Oktober 2000 erfuhren, wurden die Nähmaschinen in La Realidad auch dazu genutzt, Uniformen für die Zapatisten zu schneidern.