Das Hospital San Carlos liegt in der Stadt Altamirano, Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises, der im östlichen Teil des Hochlandes des Bundesstaates Chiapas liegt.
97% der Bevölkerung des Kreises ist indigen, die Mehrheit gehört zur Ethnie der Tzeltal.
Das Krankenhaus wurde 1967 gegründet und ist das einzige in der Region und vielleicht in ganz Mexico dessen Infrastruktur und Organisation angepaßt sind an die indigene Kultur.
Es ist schwierig, den genauen Einzugsbereich zu umschreiben, da alle ethnischen Gruppen des Staates es aufsuchen. Die Regionen, aus denen die meisten Patienten und Patientinnen kommen, sind hauptsächlich der Lakandonische Regenwald, der Urwald von Margaritas, die Zonen der Chol, der Tzetal und Tojolabal, zu denen viele Gemeinden gehören einschließlich der von Altamirano. Insgesamt gehören zum näheren Einzugsbereich des Krankenhauses 828 Gemeinden mit einer Bevölkerung mit durchschnittlich 15.000 zu behandelnden Fällen pro Jahr.

Dienstleistungen

Gesundheit

1. Vorsorgemaßnahme

Programm zur Verbesserung der Gesundheit in den Gemeinden

Das Krankenhaus hat schon immer die Gesundheit in den Gemeinden für sehr wichtig erachtet. Diese Arbeit wird hauptsächlich durch Gesundheitspromotoren ausgeführt, die von den örtlichen Gemeinschaften ausgewählt werden und ihre Dienste ehrenamtlich und umsonst erbringen. Das Krankenhaus ist verantwortlich für ihre medizinische Grundausbildung sowie für die Weiterbildung. Das Krankenhaus erteilt zusammen mit dem Gesundheitsministerium an die Promotoren entsprechende Diplome.
Die Hauptaufgabe dieser Gesundheitspromotoren ist es, die örtliche Bevölkerung für die Wichtigkeit der Gesundheitsvorsorge zu sensibilisieren. Dabei wird der Bevölkerung vorgeschlagen, wie man Krankheiten verhüten und Ursachen bekämpfen kann. Aufgrund ihrer Ausbildung können die Gesundheitspromotoren die häufigsten Krankheiten selbst behandeln mit der ihnen zur Verfügung stehenden Grundausstattung an Medikamenten.
Das Krankenhaus berät die Promotoren nicht nur während der Ausbildung, sondern auch jederzeit, sobald dieses während eines Einsatzes in einem Dorf erforderlich ist. In einem solchen Fall sucht das Krankenhauspersonal das entsprechende Dorf auf, um vor Ort Hilfe zu leisten.
Die Transportmittel um die Dörfer aufzusuchen sind: Jeep, Lkw, Kleinflugzeug oder zu Fuß. Im letzten Fall kann es bis zu vier Tagen dauern, bis man die entlegensten Regionen erreicht hat.


Aufklärungsunterricht zur Gesundheitsvorsorge für Angehörige

Ernährungsprogramm

Das Krankenhaus versorgt wöchentlich 40 Witwen, die kein Einkommen haben, mit Grundnahrungsmitteln im Gegenzug zu von diesen geleisteten kleineren Arbeiten im Hospital. Dazu werden ca. 20 Kinder (von Neugeborenen bis zu 16 Monaten) mit Kindernahrung versorgt, weil sie von ihren Müttern nicht gestillt werden können.
Wir ermitteln laufend den Lebensmittelbedarf der Region und vergleichen diesen mit den zu erwartenden Ernten, damit wir im Bedarfsfall Nahrungsmittelhilfen organisieren und verteilen können. 

Programm zur Kontrolle der Tuberkulose

Im Vorsorgebereich ist das Programm zur Kontrolle von TBC vom Krankenhaus zusammen mit dem Gesundheitsministerium erarbeitet worden. Die Kranken müssen, um behandelt zu werden, nach einer Erklärung über ihre Krankheit, sich schriftlich verpflichten, die Behandlung vollständig abzuschließen. Wenn einige die Behandlung trotzdem abbrechen, werden sie über den örtlichen Radiosender aufgerufen, die Behandlung fortzusetzen.

Impfprogramm

Hier wird ebenfalls mit dem Gesundheitsministerium zusammengearbeitet. Das Krankenhaus und die Gesundheitspromotoren sorgen für die Umsetzung der verschiedenen Impfprogramme.

2. Stationäre Behandlung

Die häufigsten Krankheiten sind die für die "Dritte Welt" und die marginalisierte indigene Bevölkerung typischen Krankheiten: Unter- und Fehlernährung, parasitäre Krankheiten, Gastroenteritis, Infektionskrankheiten etc.. Es gibt aber auch die Krankheiten der entwickelten Länder wie z.B. Krebs, der stetig zunimmt, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen.

Das Krankenhaus bietet in diesem Bereich folgende Dienstleistungen an:

  • Archiv: Die Patienten kommen aus 828 Gemeinden sowie verschiedenen Kleinstsiedlungen.

  • Zahnmedizin: Ende 1993 wurde die zahnmedizinische Abteilung installiert, eine Spende der kanadischen Botschaft. Seitdem gibt es umfassenderes Hilfsangebot für die Patienten. Ein Zahnarzt behandelt von Montag bis Freitag.

  • Apotheke: Das Krankenhaus versucht, die erforderlichen Medikamente für die in der Region typischen Krankheiten bereitzuhalten.

  • Röntgen: Das Krankenhaus hat eine sehr moderne Siemens-Anlage, die uns eine holländische Stiftung gespendet hat.

  • Ultraschall und Labor: Kleinere Untersuchungen können vor Ort durchgeführt werden, schwierigere Analysen werden nach Mexico Stadt geschickt.

  • Operationssaal: Es ist ein sehr wichtiges Angebot für die zum Teil von weit her kommenden Patienten. Es gibt kontinuierliche Operationspläne.

  • Materialverwaltung: Hier werden die Materialien für die Behandlung sterilisiert und vorbereitet.

  • Ambulanz: Das Krankenhaus hat fünf Ambulanzen, die entsprechend personell ausgestattet sind. Da die Patienten z.T. von weit her kommen, sind die Ambulanzen 24 Stunden am Tag geöffnet.

Für die stationäre Behandlung gibt es folgende Angebote:

  • Gynäkologie und Geburtshilfe mit einem Kreissaal, einem Labor und vier Betten.

  • Station für Erwachsene mit 30 Betten.

  • Kinderstation mit 34 Betten. Hier können Neugeborene und Frühgeburten mit der entsprechenden Ausrüstung (2 Brutkästen, Beatmungsgeräte etc.) behandelt werden.

Es ist noch zu erwähnen, daß -  sobald das Kontingent erschöpft ist - Pritschen aufgestellt werden. Wenn diese belegt sind, werden Strohsäcke ausgelegt. Das heißt, das Krankenhaus nimmt jeden auf, der kommt, da aufgrund des Gesundheitszustandes und der zurückgelegten Entfernung ein Abweisen nicht möglich ist.

3. Weiterverlegung in Fachkrankenhäuser

Es erreichen das Krankenhaus immer mehr Patienten, die eine spezialisiertere Behandlung als dort möglich benötigen. In diesen Fällen werden sie je nach Diagnose an die verschiedenen Fachkrankenhäuser in den Landeshauptstädten verwiesen:
Mexico Stadt, Tuxtla, Mérida, Villa-Hermosa.

Dies bedeutet, daß das Krankenhaus in kontinuierlichem Kontakt mit den Gesundheitseinrichtungen der höheren Ebenen steht. Das Krankenhaus kümmert sich um den Krankentransport und die erforderlichen Schritte.

Speiseraum: In diesem werden die Patienten und ihre Familienangehörigen, die diese wollen, mit Nahrungsmitteln versorgt. Täglich essen ca. 300 Personen im Krankenhaus.

Um einen qualitativ hochwertigen medizinischen Dienst anbieten zu können, verfügt das Krankenhaus über eine Bibliothek mit Fachliteratur. Dort finden regelmäßig akademische Aktivitäten statt, damit die Qualität der medizinischen Arbeit verbessert wird.

Diverse: Das Krankenhaus verfügt über weitere, für eine solche Institution im ländlichen Gebiet erforderliche Einrichtungen: Küche, Wäscherei, Energieversorgungsanlage, Schreinerei, Nähwerkstatt und mechanische und elektrische Werkstätten.

Weitere Einrichtungen des Krankenhauses:

Zwei Häuserblöcke vom Krankenhaus entfernt befindet sich der Erholungsbereich, in dem die Patienten untergebracht sind, die aus der stationären Behandlung entlassen wurden aber aus gesundheitlichen Gründen noch nicht in ihre Dörfer zurückkehren können. Dort werden ebenfalls unterernährte Patienten unterbracht, die Physiotherapie etc. benötigen. Insgesamt können in diesem Bereich 18 Patienten behandelt werden.
Dort befinden sich ebenfalls Unterbringungsmöglichkeiten für 80 Studenten, die zum Programm der Promotoren-Ausbildung gehört.


Auf der Kinderstation

2. Unterkünfte

Gegenüber vom Krankenhaus befindet sich die Unterkunft für Familienangehörige, da aufgrund der vorherrschenden sozio-kulturellen Gegebenheiten die Kranken von ihren Familienangehörigen begleitet das Hospital aufsuchen. In dieser Herberge befinden sich zum kostenlosen Gebrauch: Schlafsaal, Sanitäreinrichtungen, Duschen, Wäscherei und Herde zum Kochen; alles so nahe wie möglich und nach dem Lebensstil der Betroffenen eingerichtet.

3. Unterkünfte für Ärzte

Es ist sehr schwer, Ärzte mit Motivation und Berufung zu finden, die an so entfernt liegenden Orten unter schwierigen ökonomischen Bedingungen arbeiten wollen. Deshalb bietet das Krankenhaus den Ärzten, die dort arbeiten, kostenlose Unterkünfte an. In diesen zwei Häusern leben sowohl die angestellten wie auch die freiwilligen Ärzte.

Jedes Grundstück verfügt zudem über einen Garten, um Gemüse anzubauen, das dazu dient, die Kost der Patienten aufzubessern.

Förderung

Indigenes Personal

Außer den Ärzten und den Schwestern stammt das gesamte Personal aus der Umgebung; dieses bedeutet eine große Bereicherung, denn das Gesicht des Krankenhauses ist indigen. Gleichzeitig bedeutet dieses auch, daß eine kontinuierliche Ausbildung und Förderung erforderlich ist, damit die entsprechenden Arbeiten bestmöglich ausgeführt werden können. Die vier großen Ethnien (Tzeltal, Tojolabal, Choles und Tzotzil) sind im Personal vertreten.

Programm zur Förderung der Frau:

Die indigene Frau ist doppelt beachteiligt - als Indigena und als Frau. Dieses ist der Grund, warum das Hospital ein Programm aufgestellt hat, das jungen Frauen hilft, eine eigene ökonomische Basis aufzubauen. Diese erhalten Unterkunft und Verpflegung im Hospital, damit sie ihre Volksschulausbildung beenden können (in den meisten Dörfern gibt es keinen Unterricht über die vierte Klasse hinaus - wenn überhaupt -). Zur Zeit lernen neun der jungen Frauen Krankenpflege; in einem richtigen Ausbildungszentrum im Krankenhaus findet Unterricht statt zur Alphabetisierung,  Grund-  und Volksschulabschluß, zweijährige Ausbildung zur Krankenpflegehelferin. Der letztere Kurs ist anerkannt durch das Gesundheitsministerium, so daß bei Bestehen entsprechende Diplome erteilt werden. Hinzu kommen frauenspezifische Inhalte (Kochen, Brotbacken, Kunsthandwerk, Bewußtwerden über die eigene Würde und die Rolle in der Gesellschaft ...).

In den Dörfern

Die gesamte Promotoren- (Aufklärung) Arbeit in den Dörfern, insbesondere wenn es sich um Bereiche der Gesundheit handelt, werden vom Hospital unterstützt. So wurde ein Projekt ins Leben gerufen zum Bau von Gemeinschaftshäusern für Frauen, Lagerhäuser, Verteilsysteme für Trinkwasser etc. [Anmerkung: In den Dörfern gibt es kein fließendes Trinkwasser]

Stipendien

Dank der Charles Roy Stiftung aus Kanada erhalten 26 Kinder aus sehr armen Familien, die meisten Halbwaisen, monatlich $ 20, um die Kosten für den Schulbesuch zu bestreiten, wobei noch etwas für Lebensmittel für die Familien übrig bleibt.
Für zwei der betroffenen Familien ist dieses Stipendium das einzige Einkommen. Seit 1994 erfolgt zudem die Unterstützung durch die Gruppe "Jóvenes por un Mundo Solidari" (Junge Menschen für eine solidarische Welt), die ebenfalls mittels Stipendien 18 Kinder unterstützen.

Verschiedenes

Die indigenen Brüder und Schwestern der Region spüren, daß das Krankenhaus ihres ist und daß alle ihre Nöte dort erhört werden. Ihnen wird geholfen, soweit es möglich ist.

Personal

Ärzte

Am 14.03.98 waren 7 Ärzte fest angestellt: 1 Chirurg, 1 Kinderarzt, 1 Internist und vier Allgemeinärzte. Diese werden unterstützt durch freiwillige Ärzte, zu denen auch ein Zahnarzt gehört.

In gewissen zeitlichen Abständen finden spezielle chirurgische Eingriffe mit einem Team freiwilliger Ärzte statt.

Krankenpflege

Fünf ausgebildete Krankenschwestern arbeiten im Hospital. Zahlreiche junge Frauen, die das Programm zur Förderung der Frau absolviert haben, arbeiten auch im Krankenhaus als Pflegehelferinnen mit Abschluß, zur Zeit 21, die sich um die Patienten kümmern.
Zehn junge Frauen wurden an die Universität in Mexico Stadt abgeordnet, um an einer dort angeschlossenen Akademie die große Krankenpflege zu lernen. Drei arbeiten schon als examinierte Krankenschwestern im Hospital.
Als verantwortliche für die Hilfe an den Ärmsten der Armen arbeiten im Hospital Mitglieder des Ordens der Hijas de la Caridad de San Vicente der Paúl (Töchter der Mildtätigkeit des Heiligen Vinzenz von Paul), zur Zeit 6 Krankenschwestern, 1 Kinderärztin, 1 Ärztin für Volksgesundheit und eine Krankenpflegerhelferin, die in den verschiedenen Abteilungen des Krankenhauses eingesetzt sind.

Weiteres Personal

In den weiteren Bereichen arbeiten z.Z. 63 Personen, zumeist aus den indigenen Ethnien.


Auf der Erwachsenenstation

Finanzierung

Der wirtschaftliche Druck ist sehr groß. Die Situation des Landes, der Mangel oder das Fehlen von Arbeitsplätzen und die Marginalisierung der indigenen Bevölkerung hat diese in eine Situation gebracht, in der sie ärztliche Behandlung nicht mehr bezahlen kann. Aus diesem Grunde hat das Hospital keine Gebührensätze für die Behandlung erlassen und kann nicht mit fixen Einnahmen rechnen. Die Patienten zahlen lediglich symbolische Beiträge für die Behandlung und manche Dörfer spenden einen Teil der Ernte.

Um eine paternalistische Fürsorge zu vermeiden und die Würde der Personen zu achten, ermöglicht man es den Familienangehörigen, ihre "Rechnungen" und die Kosten der Ernährung "abzuarbeiten" durch Hilfen im Krankenhaus und seinen Anlagen.

Aus den vorstehenden Gründen ist ersichtlich, daß das Krankenhaus sich primär über Spenden finanziert.

Die durchschnittlichen monatlichen Kosten beliefen sich im Jahre 1997 auf 32.992,77 US $, von denen das Krankenhaus monatlich systematisch erhielt von verschiedenen Institutionen aus Holland, England und den USA US $ 17.750.-. Der Rest wurde durch sonstige Spenden finanziert.

Behandelt wurden in 1997: 3.383 Patienten stationär, 498 chirurgische Eingriffe, 13.137 ambulante Behandlungen und 23.530 diagnostische Untersuchungen.

Übersetzung aus dem Spanischen Christian Wiglow

Brief vom Hospital San Carlos an den Verein "Solidarität mit Chiapas"

Auch mit Unterstützung aus Ratingen wird in Chiapas Opfern der Hurrikane geholfen.

Der Verein Solidarität mit Chiapas aus Ratingen, der seit Jahren das Hospital San Carlos im Süden Mexikos unterstützt, hat diesel Brief bekommen, der zeigt, wie wichtig dort die Arbeit ist:

Liebe Sybille, Liebe Brüder und Schwester,

Vor dem Hintergrund der vielen Nachrichten, die es in bezug auf Chiapas gibt, möchte ich Euch informieren. Hier hat es sehr viel geregnet, die Maisfelder wurden verwüstet, die Ernten vernichtet und es wird ein schlechtes Jahr werden. Es kündigt sich mehr Hunger als sonst an. Aber das größte Unglück fand in den Bergen (Sierra Madre de Chiapas) und an der Küste statt. Das ist unvorstellbar.

Die Brüder und Schwestern, die den Betroffenen geholfen haben sind zurückgekehrt und ich möchte Euch über ihre Erlebnisse informieren:

Es wurde eine Brigade aus 4 Schwestern und zwei Krankenpflegehelfern gebildet. Sie waren eine Woche bei den Betroffenen. Zuerst war der Hinweg sehr gefährlich, da es keine befestigten Straßen gibt. Die Wege waren voll Schlamm und Bergrutschen, da es tagelang geregnet hatte. Der LKW kam kaum voran, rutsche im Schlamm und drohte in den Abgrund zu fallen. Sie kamen nach 6 Stunden in Siltepec an. Von dort mussten sie zu Fuß zur befestigten Straße. Der Weg dorthin war sehr schwierig wegen der Wassermengen und des allgegenwärtigen Schlamms. Die Flüsse, die auf Seilen überquert werden mussten rissen mit sich Bäume, Felsen, Häuserreste und lauter Unvorstellbares. Sie erreichten einen Ort namens Honduras und wurden dort vom Pfarrer in Empfang genommen, der die Hilfe angefordert hatte. Am nächsten Tag teilte sich die Brigade in zwei Gruppen auf und versuchte, in unterschiedlichen Weilern zu helfen. Die, die in Honduras blieben, errichteten zwei Unterkünfte für die obdachlos gewordenen Menschen aus einem Nachbarort namens Santa Amalia, der durch Schlammlawinen zerstört worden war. Die Überlebenden erzählten, wie sieben der zehn Dorfschullehrer aus diesem Ort versuchten, eine Kette zu bilden, um auf die andere Seite eines reißenden Wassers zu ihren Häusern zu kommen. Alle wurden weggerissen und nur einer konnte lebend gerettet werden. In diesen Notunterkünften gab es zunächst keine Decken zum Schutz gegen die nächtliche Kälte. Die Überlebenden versuchten den Kindern mit ihren eigenen Körpern Schutz und etwas Wärme zu geben. Mit Hilfe der gesamten Ortschaft wurden die Unterkünfte organisiert und verbessert. Es wurde für Essen gesorgt und die Betroffenen halfen mit. Zudem musste auch Kleidung organisiert werden. Ebenfalls musste die medizinische Versorgung sichergestellt werden, da durch die Kälte am Fluss und den Mangel an Hygiene viele krank wurden. Auch brauchten die Opfer psychologische Betreuung, um die erlittenen Verluste zu verarbeiten.

Die andere Brigade marschierte zu einem Ort namens Buenos Aires, wo die Opfer des Unwetters von anderen Dorfbewohnern schon aufgenommen und notdürftig versorgt wurden, da sie nichts hatten retten können. Ein öffentlicher Speisesaal wurde eingerichtet und medizinische Hilfe angeboten. Erst nach einer Woche kamen Rettungskräfte von der Regierung, so dass die Anwesenheit der Schwestern nicht mehr so erforderlich war.

Die Rückkehr zum Krankenhaus war dann leichter.

Zur Zeit wird eine weitere Brigade vorbereitet, um an der Küste in der Nähe von Tapachula (Küste Pazifik, Grenze zu Guatemala) zu helfen. Dort, wo bereits zwei Schwestern sind, ist noch keine staatliche Hilfe angekommen. Die örtliche Bevölkerung ruft nach Hilfe. Es werden dringend Decken, Medikamente, Wasser und Nahrungsmittel benötigt. Obwohl schon einiges hingebracht wurde, fehlt es an allem, zumal die Wege unpassierbar sind und die Siedlungen weit verstreut liegen. Aber die größte Notwendigkeit dort liegt im Bau neuer Häuser. Die Gemeinschaft, zu dem wir gehören (St. Vinzenz) hat gedacht, dass der Neubau von Häusern die größte Hilfe ist und dafür ein Fond geschaffen. Vor Jahren gab es in dieser Zone schon einmal ein solches Unglück, nur nicht so groß, und die Gemeinschaft St. Vinzenz kaufte vier Maschinen, um Hohlblocksteine für den Hausbau zu produzieren. Diese Maschinen werden jetzt wieder eingesetzt, zudem muss Wellblech für die Dächer beschafft werden. Es wird mühsam werden.

Die Erfahrungen der Schwestern waren sehr bereichernd: Die Zusammenarbeit und spontane Solidarität aller, inner- und außerhalb der Kirche, die Großzügigkeit der Menschen, die Geduld der Betroffenen, die Solidarität im ganzen Land. Beispielhaft allein ist die Solidarität der indigenen Bevölkerung aus den Schluchten des Hochlandes mit den Opfern. Auch wenn sie selber arm sind und nichts haben, so haben sie eine Tonne Mais zusammengetragen, um den Opfern zu helfen. Aus einem Stunden entfernten Dorf wurde ein Sack von 60 Kg Mais auf den Schultern herbeigetragen. Hier sieht man die Solidarität der Armen.

Als wir an die Küste zurückfuhren, war es eine Reise mit einem kleinen 3-Tonners des Krankenhauses mit Decken, Milch, Seife, Dinge, die dort dringend benötigt wurden. Und morgen am 4.11.05 geht ein zweiter Transport in die Berge, denn dort beginnt nun, das, was man hier die „helada negra“ nennt (die kalte Jahreszeit).

Jetzt bereiten wir uns für den Hurrikan Wilma vor, der vom Atlantik über Cancun, Quintana Roo und Yukatan kommt, wenn man sagt, dass es in den letzten 150 Jahren keinen schlimmeren gegeben habe. Die Nachrichten sprechen von Cancun und Touristenhotels, aber nicht von den Armen und ihren Hütten. Wir hoffen für alle.

Eine herzliche Umarmung schickt

Schwester Maite

Übersetzung ins Deutsche: Christian Wiglow

Mail vom Hospital San Carlos an den Verein "Solidarität mit Chiapas"

CADA VEZ QUE ALGUIEN RECUPERA LA VIDA Y LA ESPERANZA         ...          ¡ ES NAVIDAD !

Benjamín es un niño de 4 añitos, originario de Yochib Municipio de Oxchuc, que vino  al Hospital San Carlos por presentar dolor abdominal desde hacia 7 días. Fue llevado al Hospital de San Cristobal de las Casas., ahí le propusieron  operación pero el papá no aceptó.

El cuadro fue avanzando  cada día y cuando vino requirió cirugía de urgencia, por lo que esa misma noche se intervino encontrando perforación intestinal por lombrices y fue necesario quitarle 30 cms de intestino,  por lo que se le hizo una ileostomía por tres meses hasta recuperar su estado nutricional. Después fue nuevamente operado para reconectar el intestino. Se le administró por 6 días alimentación parenteral.

Este niño estuvo cuatro meses hospitalizado y con él se desplazó toda su familia. Su mamá junto con sus hermanitos vinieron al hospital y se quedaron en la quinta de recuperación, mientras Benjamín subía de peso para cerrarle la ileostomía.

Benjamín tuvo una evolución satisfactoria, por lo que pudo regresar con su familia e integrarse a su Comunidad. 

GRACIAS POR TU SOLIDARIDAD QUE HACE POSIBLE ESTA REALIDAD

FELIZ NAVIDAD Y NUESTROS MEJORES DESEOS PARA EL 2006

EL PERSONAL DEL HOSPITAL SAN CARLOS Y LAS HIJAS DE LA CARIDAD.

Übersetzung:

Jedes Mal, wenn jemand Leben und Hoffnung wieder gewinnt, ist Weihnachten!

Benjamín ist ein Kind von 4 Jahren, stammt aus dem Dorf Oxchuc und kam wegen Leibschmerzen seit 7 Tagen ins Hospital San Carlos. Er wurde ins das Krankenhaus von Hospital de San Cristobal de las Casas gebracht. Dort sollte er operiert werden, aber der Vater wollte nicht.

Die Krankheit schritt fort und als er erneut kam, war eine Notoperation erforderlich, die in der Nacht stattfand, bei der eine Darmperforation wegen Wurmkrankheit festgestellt wurde. Es mußten 30 cm Darm entfernt werden und für drei Monate ein künstlicher Dünndarmausgang gelegt werden, bis sich sein Ernährungszustand gebessert hatte. Danach wurder er erneut opertiert, um den Darm wieder zu schließen. Danach mußte er noch sechs Tage künstlich ernährt werden.

Das Kind war insgesamt vier Monate im Krankenhaus und mit ihm zog seine ganze Familie zum Krankenhaus. Seine Mutter und seine kleinen Geschwister kamen ins Krankenhaus und blieben im Gesesungszimmer, während Benjamín an Gewicht zunahm, bis ihm der künstliche Darmausgang geschlossen werden konnte.

Benjamín entwickelte sich zufriedenstellend, so dass er mit seiner Familie zurückkehren und wieder ins Dorfleben einsteigen konnte.

 Danke für Deine Solidarität, die diese Realität möglich gemacht hat.

 Frohe Weihnachten und unsere besten Wünsche für das Jahr 2006

 Das Personal von Hospital San Carlos und die Töchter der Mildtätigkeit

Liebe Brüder und Schwester,

Wir denken viel an Euch an diesen Festtagen und wünschen Euch und Euren Familien ein frohes und segensreiches Jahr 2006

Mit Liebe und Dankbarkeit

Schwester Maite

Übersetzung ins Deutsche: Christian Wiglow

Brief vom Hospital San Carlos an den Verein "Solidarität mit Chiapas"

Kopf: Fossvi – Stiftung für soziale Werke des Heiligen Sankt Vinzenz

Solidarität mit Chiapas

Hierdurch bestätigen wir, dass wir vom Verein Solidarität mit Chiapas die Menge von 4.252.- US-Dollar, das sind ungefähr 42.520.- mexikanische Pesos, bekommen haben. Diese Gelder wurden für Heil- und Hilfsmittel verwendet.
Vielen, vielen Dank, weil alle Ihre Hilfe in Leben, Gesundheit und Trost für unsere am meisten bedürftigen Brüder und Schwestern umgewandelt wurde.

Gott möge Sie segnen und Ihnen Ihre Solidarität belohnen.
Voller Zärtlichkeit und Dankbarkeit

-Unterschrift-
Schwester Maite Tomasena
-Verwaltungsleiterin-

Unten:Hospital San Carlos, Gemeinde Altamirano, Chiapas, Postfach 195, San Cristóbal de las Casas, Telefon (967) 3-60-95

(Es folgen zwei Spendenquittungen nach mex. Steuerrecht)

Für die Richtigkeit:
Ratingen, den 26.02.03
Christian Wiglow
(Schriftführer)

Mail vom Hospital San Carlos an den Verein "Solidarität mit Chiapas"

Querida Sybille: con pena he visto que no te conteste para decirte la cantidad que recibimos.
Fueron 16,864 pesos mexicanos.
Muchísimas gracias por este donativo y por todo.
Si te parece lo ocuparemos en material de curación. Hasta ahora teníamos una reserva , pero se nos acabó y se esta gastando muchísimo.
No sé si debo escribir un recibo o enviarte por correo el original que siempre hacemos.
Espero tu respuesta, aunque faltaré un par de días. Mañana llevamos en la ambulancia a Mérida (12 horas de camino) , a un joven de 17 años, con una masa tumoral en todo el abdomen.
Esta en malas condiciones, posiblemente un cáncer, pero aquí no le podemos hacer más.
Muchas gracias por todo. Recibe un abrazo

Sor Maite Tomasena

 Sybille, acabo de leer tu carta y creo que debe ser más formal la mía:

Hospital San Carlos

Por medio de la presente hacemos constar que hemos recibido de SOLIDARIDAD CON CHIAPAS, la cantidad de 2,100 euros que al cambio mexicano ha dado  $ 16, 864 pesos mexicanos.
Queremos ocupar este dinero en material de curación.
Las necesidades que tenemos son múltiples.
Nos pueden ayudar como hemos dicho con esta intención o con leche para los niños desnutridos. En general el renglón de medicamentos es el más amplio.
Muchísimas gracias por su corazón solidario. Que el Señor los siga bendiciendo

Sor Maite Tomasena
Directora Administrativa

Übersetzung:

Liebe Sybille, ich habe festgestellt, dass ich Dir leider noch nicht geantwortet habe, um Dir zu sagen, wieviel wir (von Euch) erhalten haben. Es waren 16.864. Mex. Pesos.
Vielen, vielen Dank für diese Spende und für alles. Wenn Du nichts dagegen hast, werden wir diese Summe für Heilmittel ausgeben. Bis jetzt hatten wir einen Vorrat, aber der ist uns ausgegangen und es werden sehr viel Medikamente benötigt.
Ich weiß nicht, ob ich eine Quittung schreiben soll oder per Post den Originalbeleg schicken soll, so wie wir es immer machen. Ich warte auf Deine Antwort, obgleich ich für ein paar Tage weg sein werde. Wir bringen morgen einen 17jährigen Jungen, der einen Tumor im Bauch hat, mit dem Krankenwagen nach Mérida. Dem Jungen geht es schlecht, er hat wahrscheinlich Krebs, und hier können wir ihm nicht weiter helfen.
Vielen Dank für Alles. Lass Dich umarmen - Schwester Maite Tomasena.
Sybille, ich habe gerade Deinen Brief nochmals gelesen und glaube, dass meiner formaler sein soll

 

Hospital San Carlos

Hierdurch wird bestätigt, dass wir vom Verein Solidarität mit Chiapas  2.100.- EURO, entsprechend 16.864.- mex. Pesos erhalten haben.
Wir werden diese Summe für die Anschaffung von Medikamenten verwenden. Es fehlen uns viele Dinge. Sie können uns - wie gesagt helfen [bei der Anschaffung von Medikamenten] oder mit Milch für die unterernährten Kinder. Im Allgemeinen ist der Bedarf an Medikamenten am höchsten.
Vielen, vielen Dank für Ihr solidarisches Herz. Dass der Herr Sie weiter segnen möge.

Schwester Maite Tomasena
Leitererin der Verwaltung des Hospital San Carlos

Übersetzung ins Deutsche: Christian Wiglow

Brief vom Hospital San Carlos an den Verein "Solidarität mit Chiapas"

Liebe Sybille,

ich sende Dir einen liebevollen Gruß vom Hospital San Carlos. Es tut mir leid, dass Ihr die letzte Nachricht von uns nicht bekommen habt. Ich habe so meine Probleme mit e-mails und generell mit Computern, weil man furchtbar viel Informationen braucht, damit sie funktionieren.
Im August haben wir Eure Überweisung von 2.831,25 US-Dollar erhalten. Dafür möchten wir ganz herzlich danken. Das Krankenhaus kommt voran dank der Solidarität und Spenden von Brüdern und Schwestern wie Euch. Gott möge es Euch vergelten.
Zu Euren Fragen zum Fortgang des Krankenhauses teile ich Euch mit, dass es voran geht. Auch wenn viele Details noch fehlen, sind die neuen Gebäude alle errichtet. Jetzt werden nur noch die Tür- und Fensterrahmen erstellt und eingebaut. Danach werden die Fenster eingebaut und die Zimmer eingerichtet. Es wird alles wunderschön.
Das Wichtigste ist aber, dass der Dienst an den Ärmsten der Armen, besonders für die indigenas, weitergeht, die sonst keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.
Wir hatten jetzt ein 15tägige Kampagne gegen die Hasenscharte. Jeden November kommen Chirurgen aus Wisconsin, USA, die hierfür besonders spezialisiert sind. Es wurden 20 Operationen durchgeführt. Allen Schwestern hat diese Kampagne gut gefallen, obwohl es sehr viel Arbeit war. Die meisten der Operierten waren Kinder und Babys, die nun viel besser aussehen und besser essen können. Dieses Problem der Hasenscharte kommt in Chiapas häufig vor. Nach Ansicht der Ärzte liegt in der Fehl- und Mangelernährung dafür die Hauptursache.
Im Alltag des Krankenhauses erleben wir immer wieder schöne Erlebnisse. Es kam eine Familie mit unterernährten Kindern. Zuerst kam der Kleinste, Paco, der mit zwei Jahren weder sprechen noch laufen konnte. Der Vater sagte uns, dass die anderen Geschwister besser ernährt wären, ja geradezu dick. Wir baten ihn, auch die anderen Kinder vorbeizubringen, auch wenn es ein sehr langer Fußweg wäre. Dann sahen wir, dass die Kinder nicht dick waren, sondern Hungerbäuche hatten. Es ist ein  alleinerziehender Vater mit 7 Kindern, die Mutter starb kurz nach der Geburt des letzten Kindes Paco. Alle Kinder mußten lange im Krankenhaus bleiben, die Größeren konnten eher entlassen werden, die beiden kleinsten, Paco und Emilia, mußten bleiben. Wir gewannen beide richtig lieb und bedauerten sie, als sie nach Hause entlassen wurden, denn zu Hause wartete auf sie wieder das Elend. Ein Vater mit 7 Kindern, bitterarm. Angesichts dieses Elends spürten wir unsere Ohnmacht.
Zur Zeit sind wir mit Ärzten relativ gut ausgestattet – wir haben einen Chirurgen und Gynäkologen. Dadurch steigt zwar die Zahl der Operationen und die Arbeitsbelastung, verschafft uns aber die Sicherheit, allen Brüdern und Schwestern, die zum Krankenhaus mit ernsten Problemen kommen, helfen zu können, ohne die Angst zu haben, ein anderes Krankenhaus suchen zu müssen.
Gut, sobald wird die Neubauten einweihen, werden wir Euch informieren. Wenn Ihr könnt, kommt doch vorbei. Es wäre uns eine Freude, Euch begrüßen zu können.
Jetzt verabschiede ich mich. Ich danke Euch nochmals für Eure herzliche Solidarität und wünsche Euch frohe Weihnachten und für das  Neue Jahr alles, was man sich wünschen kann.

Alles Liebe

Schwester Maite.

Übersetzung ins Deutsche: Christian Wiglow